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Kanada
Rundreise vom 01.06.1999 - 21.06.1999
In Toronto angekommen, machten wir
uns auf den Weg, unseren Mietwagen abzuholen. Die Mietwagenfirmen liegen
meistens etwas außerhalb des Flughafengeländes und sind nur mit den
entsprechenden Shuttle-Bussen zu erreichen. Nach der Übernahme unsers Autos
suchten wir uns außerhalb von Toronto ein Motel, um uns von den Strapazen des
langen Fluges zu erholen.
Unsere Rundreise führte uns von
Toronto nach Ottawa, weiter nach Quebec, um die Gaspe Halbinsel herum nach New
Brunswick und dann wieder zurück über die Niagara Fälle nach Toronto.
Nachstehend möchten wir die einzelnen
Stationen etwas näher beschreiben.
Ottawa
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Ottawa ist die Landeshauptstadt Kanadas und
ist Lebensraum für rund 305 000 Menschen. Mit einer Fülle von kulturellen und
sportlichen Angeboten, umgeben von einem 20 000 ha großen Gürtel geschützter
Natur, bietet die Stadt Lebensqualität. Die Queen Victoria machte 1875 Ottawa
zur Hauptstadt ihrer kanadischen Provinz. Vorausgegangen war dieser
salomonischen Entscheidung ein andauernder Streit zwischen Montreal, Kingston
und Toronto um den Regierungssitz. Dadurch lange unbeliebt wurde die Hauptstadt
auch städtebaulich zunächst vernachlässigt. Ottawa galt als wenig attraktiv und
wurde von den Diplomaten aller Länder als besonders langweilig angesehen. Erst
nach Gründung der National Capital Commission 1958, die sich aktiv und mit
erheblichem Etat um die Restaurierung historischer Bauten, den Ausbau
von Museen und den kulturellen Ruf Ottawas kümmerte, verbesserte sich das Image
der Stadt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. |
Ottawa ist eine wunderschöne Stadt,
in der wir uns sehr wohl fühlten. Sie ist sehr überschaubar und die Wahrzeichen
wie der Parliament Hill (Regierungsgebäude), die großen Museen und der Rideau
Canal sind von den meisten Aussichtspunkten der Downtown sichtbar. Fast alle
Sehenswürdigkeiten sind von der Innenstadt leicht zu Fuß erreichbar.
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Der Parliament Hill bestimmt die
Silhouette der Stadt. Die Regierungsgebäude befinden sich in ausgedehnten
Grünanlagen, in denen Statuen an berühmte Kanadier und natürlich auch an die
englische Königin Victoria erinnern. Die Aussichtsplattform des 92 m hohen Peace
Towers bietet einen gigantischen Panoramablick über die Stadt und auf das andere
Flussufer. Auch die britische Tradition wird gepflegt. Vor allem, wenn im Sommer
pünktlich um 10 Uhr das Wachregiment mit seinen scharlachroten Uniformen und den
hohen schwarzen Bärenfellmützen auf den weiten Rasenplatz zwischen den
Regimentsgebäuden marschiert. |
Sehenswert ist das 1878 erbaute
Laurier House, in dem zwei kanadische Premierminister (Sir Wilfried Laurier und
William Mackenzie) lebten. Auch Könige und Präsidenten waren dort zu Gast.
Dieses Gebäude wurde originalgetreu restauriert und steht in einer schönen
Gartenanlage. Zudem besitzt es einen der ältesten funktionierenden Aufzüge
Kanadas.
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Besonderes Highlight war unsere
Unterkunft, das Gasthaus Switzerland Inn, ein gemütliches Bed & Breakfast in der
Downtown. Dort spricht man auch deutsch. Inhaber sind ein Schweizer Ehepaar, das
vor langer Zeit nach Kanada ausgewandert ist. |
Quebec
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Quebec City ist bis heute die
französischste Stadt Kanadas. Diese Stadt zeigt sich je nach Stunde und Stimmung
dem Betrachter anders: mal nostalgisch mittelalterlich, mal zeitgeistig und
neonbunt. Quebec besteht eigentlich aus zwei unterschiedlichen Teilen: Draußen
vor den Stadtmauern pulsiert dichter Verkehr durch eine moderne City mit
Shopping Malls, Bürobauten und Parkplätzen. Drinnen in der Altstadt verläuft das
Leben gemächlicher, erzählen die winkligen Gässchen von der wechselvollen
Geschichte Kanadas. |
Übrigens - die Indianer nannten den
Ort "kebec", was soviel bedeutet wie "wo der Fluss enger wird". Der damalige
Vater Neu-Frankreichs, Samuel de Champlain, erkannte den strategischen Wert
dieser Stelle sofort und ließ 1608 ein hölzernes Fort errichten. Im Verlauf des
17. Jh. entwickelte sich die kleine Siedlung zum politischen und
wirtschaftlichen Zentrum Neu-Frankreichs.
Eine alte Touristenweisheit besagt,
dass sich der beste Ausblick immer dort bietet, wo Kanonen stehen. In Quebec ist
dies die Citadelle, eine der größten Festungen Nordamerikas, hoch über der Stadt.
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Auf den Klippen des Cap Diamant, auf
dem einst der Palast des Gouverneurs von Neu-Frankreich stand, erhebt sich das
meistfotografierte und für viele das schönste Hotel der Welt. Das Château
Frontenac wurde 1893 im damals modischen französischen Château-Stil begonnen und
erst 30 Jahre später beendet. Roosevelt und Churchill planten unter den
Kupferdächern des majestätischen Baus 1943 ihre Strategien im Krieg gegen
Deutschland und Nixon erholte sich dort von Watergate. Viele hundert VIPs, die hier
schon genächtigt haben, können auf Fotos in einem Seitenraum der Lobby bewundert
werden. Für Interessierte gibt es auch eine Führung durch das Hotel. |
Gaspé Halbinsel
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Die Gaspé-Halbinsel mit dem kargen
Hochland und den Klippen am Atlantik steht an oberster Stelle der vielen
Naturschönheiten Quebecs. Das Grün im Frühjahr und die flammenden Farben des
Indianersommers gegen Ende des Sommers verwandeln das zerklüftete, waldreiche
Innere der Halbinsel Jahr für Jahr in eine Märchenlandschaft. |
Wirtschaftlich geht es der Halbinsel
schon seit Jahrzehnten schlecht. Die jungen Leute wandern nach Toronto, Montreal
oder Vancouver ab. Die Fischerei kränkelt arg. Ein paar Dollar bringen nur noch
die Holz- und Papierwirtschaft und in steigendem Maße der Tourismus in die
Kasse. Eine Ausnahme gibt es jedoch. In den riesigen Laufwäldern der Appalachen
wird Ahornsirup gewonnen. Diese Gebiet hat sich zum Zentrum der kanadischen
Sirup-Produktion entwickelt.
Das Städtchen Gaspé mit seinen kahlen
Hafenanlagen und dem lärmenden Verkehr wirkt nach so viel Natur eher
ernüchternd.
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In Percé, dem bekanntesten
Touristenziel der Gaspé-Halbinsel, gibt es viele kleine Familienrestaurants, in
denen es sich sehr gut speisen lässt. Die Berühmtheit des Ortes kommt jedoch von
dessen Lage. Zwei halbmondförmige Buchten sorgen mit den dazugehörigen Klippen
für eine spektakuläre Lage. Dazwischen stößt der gewaltige Rocher Percé ins Meer
hinaus, ein 90 m hoher und 430 m langer Monolith aus rosa Kalkstein mit einem
großen Felsentor am Ende. Bei Ebbe kann man unter Berücksichtigung des
Gezeitenwechsels trockenen Fußes hinüber laufen. Der Felsen ist angeblich nach
den Niagarafällen das meistfotografierte Naturspektakel Kanadas.
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New Brunswick
New Brunswick gehört zu den
touristisch weniger entdeckten Provinzen Kanadas, hat aber einiges zu bieten.
Die Provinz wird an drei Seiten vom Meer umspült und hat eine Küstenlinie von
fast 2300 Kilometer. Die Landschaft ist großartig und bietet spektakuläre
Gezeiten. Die nördlichen Küsten bieten weite nahezu unberührte Strände mit den
wärmsten Wassertemperaturen nördlich von Florida. Im Inneren des Landes
erstreckt sich hügeliges Land mit riesigen Laubwäldern durchzogen von den großen
Flusssystemen des Saint John und des Miramichi.
New Brunswick mit seinen rund 730 000
Einwohners ist als einzige Provinz Kanadas offiziell zweisprachig. Mehr als ein
Drittel der Bevölkerung spricht französisch.
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Eine kleine Attraktion gab es noch in Grand Falls.
Dort haben wir mitten im Ort
einen 23 m hohen Wasserfall bewundert.
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Niagara Fälle
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Der Niagara River gehört mit 60 km
Länge vielleicht zu den kürzesten aber auch wildesten Flüssen der Welt mit einer
Fließgeschwindigkeit von bis zu 50 km/h. Bei Queenston, 11 km von Niagara Falls
entfernt, begannen vor 12 000 Jahren während der letzten Eiszeit die riesigen
Wasserfälle, die die Indianer niagara "donnerndes Wasser" nannten. Damals, als
die kontinentalen Gletscher sich zurückzogen, entstand die Niagara-Schichtstufe,
über die der Höhenausgleich zwischen dem Lake Erie und dem Lake Ontario
stattfindet. Seither sind die Fälle durch die erodierende Kraft des Wassers
immer weiter nach unten gewandert und haben dabei eine tiefe Schlucht, die
Niagara Gorge, in die Schichtstufe gegraben. |
Diese Wanderung von etwa einem Meter
pro Jahr hat sich in den letzten Jahrzehnten auf nur 10 cm reduziert. Seitdem ist
ein großer Teil des Wassers aus dem Niagara River oberhalb der Fälle für die
großen Elektrizitätswerke abgezweigt worden. Aber immer noch fließen stündlich
15 Millionen m³ Wasser aus dem Lake Erie über die hufeisenförmige Horseshoe
Falls auf der Ontario- und über die American Falls auf der New York-State Seite
in den Ontario-See. Eine Stippvisite von der kanadischen auf die amerikansiche
Seite ist problemlos möglich, allerdings muss beim Grenzübertritt eine Gebühr
bezahlt werden.
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Der Blick auf die nur ein paar Meter
entfernten Horeshoe Falls ist atemberaubend. Gischt und Donner der aus 54 m Höhe
auf einer Breite von fast 700 m hinunterstürzenden Wassermassen haben wahrhaftig
ozeanische Dimensionen. Das Getöse der Wasserfälle kann man kilometerweit hören. Aus
dem weiß schäumenden Kessel stiegen ständig dichte Nebelschwaden auf, die wie
eine turmhohe Säule über den Fällen stehen und bei Sonnenschein farbenprächtige
Regenbogen bilden. |
Toronto - Kanadas heimliche Hauptstadt
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Toronto ist mit über vier Millionen Einwohnern die größte kanadische Stadt
und neben Montreal die vitalste. Unterhaltung wird großgeschrieben. Es gibt
unzählige elegante Nachtclubs, eine swingende Musikszene, überschäumende Volksfeste
bis zu großartigen Vergnügungsparks für jung und alt. Atemberaubende Architektur
und großzügige Landschaftsfreiräume sind bedeutende Merkmale dieser Stadt. Ein
paar weitere Highlights: 40 Theater und Konzerthallen, über 100 Kunstgalerien
und Museen, über 5000 Restaurants, zahlreiche Straßencafes und Märkte. Über 200
Parks, die sicher und sauber sind und in denen man sich auch nachts überall
bewegen kann. |
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Wahrzeichen Torontos und
dominierendes Element in der Silhouette der Stadt ist der nicht weit vom See
entfernte CN-Tower. Der 553 m hohe Fernsehturm ist das höchste freitragende
Gebäude der Welt. Schon aus über 100 km Entfernung ist die schlanke Betonnadel
zu sehen. Auch in der Stadt ist sie allgegenwärtig. Das Drehrestaurant in 335 m Höhe
erreicht man in einem gläsernen Aufzug, der mit atemberaubender Geschwindigkeit
emporschießt. Von der obersten Aussichtsplattform in 457 m Höhe kann man das 800
km² große Toronto überblicken. Auf dem Glasboden im Space Deck verspürt man ein
Kribbeln in der Magengegend, da man sich scheinbar auf Luft bewegt und unter
seinen Füßen 113 Stockwerke tiefer auf die winzig kleinen Menschen, Autos und
Gebäude herabblickt. |
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Direkt neben dem CN-Tower steht der
1989 fertig gestellte Skydome. Das riesige, 32 Stockwerke hohe Sportstadion mit
fast 70 000 Plätzen hat ein Kuppeldach, das mehr als drei Hektar Fläche
überspannt und sich bei gutem Wetter in kapp 20 Minuten öffnen lässt. Hier sind
das Baseballteam der "Toronto Blue Jays" und das Football Team der "Argonauts"
zuhause. |
Waterloo County - Das Land der Mennoniten
Kitchener-Waterloo ist eine 250 000
Einwohner-Stadt, die bis vor dem ersten Weltkrieg noch Berlin hieß und in der
auch heute noch der deutsche Einfluss zu spüren ist. Die Region wurde gegen Ende
des 18. Jh. besiedelt, als eine Gruppe Mennoniten aus Pennsylvania hier eine
Kolonie gründete.
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Im Umland befinden sich viele kleine
Dörfer. Man fährt durch hügeliges Farmland, mit Weizen- und Roggenfeldern,
durchzogen von kleinen Teerstraßen, Feldwege führen zu schmucken Bauernhäusern
mit gepflegten Blumen- und Gemüsegärten. Neben den Straßen sind Fahrspuren für
Pferdefuhrwerke angelegt. Ab und zu begegnet man einer Kutsche mit seltsam
altmodisch gekleideten Leuten darin. Die Männer tragen schwarze Anzüge und Hüte,
die Frauen schlichte lange Kleider und eine Haube als Kopfbedeckung. Das sind Mennoniten,
Angehörige einer Religionsgemeinschaft, die versuchen, sich von
allen modernen Einflüssen fernzuhalten und nach jahrhundertealten Traditionen zu
leben. Sie haben diese Landschaft mit den kleinen Orten wie New Hamburg, Baden,
St. Agatha, Heidelberg, ST. Jacobs, Elmira und Conestogo geprägt. |
Quelle: Ost-Kanada, Richtig Reisen, Dumont